Vom 2020er Struggle – Oder: Wenn alles anders läuft –

Bilder und Bericht von Nico und Dustin.

Das Jahr 2020 wird vielen von uns vermutlich nachhaltig in Erinnerung bleiben. Den meisten aufgrund einer Pandemie, die zumindest meine Generation so noch nicht erlebt hat. Es fällt schwer, Zeiten wie diesen etwas Positives abzugewinnen. Es mussten zu viele Menschen z.T. heftige Schicksalsschläge einstecken, sei es durch Krankheit, extreme finanzielle Einbußen oder im schlimmsten Falle, Verluste von Angehörigen oder Freunden. Sowohl ich als auch mein nun langjähriger Angelkollege und guter Freund Dustin blieben von solchen Tiefschlägen bisher zum Glück verschont. So bleibt zumindest in unserem Falle der Umstand bestehen, dass wir die, durch verordnete Einschränkungen entstandene, freie Zeit nutzen konnten, um öfter und regelmäßiger als üblich ans Wasser zu fahren. Ein anglerischer Luxus den wir nutzen wollten, um neben schönen und spannenden Momenten am Wasser auch unsere Fangbücher vielleicht mit etwas mehr Einträgen zu füllen, als dass in den Jahren zuvor möglich war. Vorweg kann ich euch hier schon mitteilen, dass wir dieses Ziel nicht erreichen konnten. So wird dieser Artikel nicht von Massenfängen oder Rekordfischen handeln, sondern von Vorstellungen, Plänen, Ambitionen und vom Scheitern. Von einer Phase, die sicher schon mal jeder ambitionierte Angler durchmachen musste. Aber auch vom Aufstehen und Kämpfen, vom Weitermachen, von einer Motivation, die sich vermutlich einem Nichtangler einfach nicht erschließt. Aber fangen wir von vorne an …

Das Jahr begann wie es für uns immer beginnt – mit geschmiedeten Plänen. Gleich drei Mal sollte es für uns ins Ausland gehen, um unseren mehr oder weniger beschuppten Freunden nachzustellen. Dazu hatten wir eine neue Strecke unseres heimischen Fließgewässers ins Auge gefasst, an der wir uns neben dem uns bekannten Abschnitt versuchen wollten.
Da uns Corona die zwei Trips ins gelobte Land verwehren sollte, stand letztendlich nur ein Social-Trip mit einigen befreundeten Anglern nach Holland an.
Wir begannen für unsere Verhältnisse früh im Jahr mit den ersten Nächten. Bereits im Februar verbuchten wir die ersten Sessions. Der ausbleibende Erfolg war zumindest hier noch einkalkuliert, auch wenn ein Aussteiger auf der o.g. neuen Strecke schon schmerzte. Zu wenig Erfahrung hatten wir mit dieser Jahreszeit bzw. mit diesen tiefen Temperaturen. Wir verloren jedoch nicht den Mut, die Anzeige der Wassertemperatur wurde fast täglich kontrolliert und jedes Grad mehr schenkte uns neuen Mut. Und tatsächlich fing ich bereits im März einen ersten besseren Fisch.

Für viele unter euch vielleicht nicht sonderlich außergewöhnlich, jedoch sind wir z.T. an Gewässer gebunden, an denen es erst bedeutend später im Jahr anfängt zu laufen. Dieses Erfolgserlebnis bestätigte unser Vorhaben und wir waren motiviert wie selten zuvor. Nicht wissend, dass die nächste Zeit sehr zäh werden sollte.
Nacht um Nacht gingen ins Land, doch die Bissanzeiger schwiegen zumeist. Für uns unerklärlich, hatten wir doch bereits Ende April Temperaturen, die in der Vergangenheit an den von uns beangelten Spots einige Fische gebracht hatten. Jedoch nicht in diesem Jahr. Mit zunehmender Verunsicherung brach der Wonnemonat Mai an. Statt des geplanten ersten Trips nach Frankreich nutzten wir unseren eingetragenen Urlaub, um 4 Tage lang an unserem Vereinssee zu verbringen. Dustin kennt diesen See sehr gut, denn er fischt schon seit gut 17 Jahren an diesem wirklich tollen Gewässer. Ich habe mir seit vier Jahren gefühlt jeden Zahn an diesem schwierigen Wasser ausgebissen. Doch mein Durchhaltevermögen wurde belohnt. Konnte Dustin bereits 3 tolle Fische verbuchen, platzte auch bei mir am dritten Tag der Knoten und es gelang mir endlich, die Blankserie an diesem See zu durchbrechen.

Mit einem kleinen Achtungserfolg im Rücken wandten wir uns wieder unserem Hausgewässer zu. Doch es ging so weiter, wie es aufgehört hatte. Auf eine geblankte Nacht folgte die Nächste, wir verstanden die Welt nicht mehr und zweifelten alles an, was uns in der Vergangenheit so leicht von der Hand ging. So dauerte es bis in den Juni hinein, bis Dustin den angestauten Fluch brechen konnte und dort endlich den ersten Fisch fing.

Unser Glaube, dass es nun endlich losgehen sollte, wurde durch darauffolgende erfolglose Ansitze ziemlich schnell zu Nichte gemacht. Was machten wir falsch, was war in diesem Jahr anders? Zweifel wandelten sich zunehmend in Frust um. Uns ging die Leichtigkeit der letzten Jahre verloren. Der Gedanke doch so langsam endlich fangen zu müssen, ließ uns zunehmend verkrampfen und ich bin mir sehr sicher, dass sich dieser Zustand negativ auf unser Angeln auswirkte.
Als überwiegender Instantangler raffte ich mich im Sommer auf, einen gewissen Bereich mehr oder weniger regelmäßig mit Futter zu versorgen. Diesem Umstand und den geliebten Crustacea Murmeln verdanke ich vermutlich dann doch noch ein paar Fische, die den Frust zwar etwas linderten, das ungute Gefühl jedoch nicht komplett verschwinden ließen.

Zu inkonstant verlief mein weiteres Angeln, dass ich z.T. des Öfteren alleine abhalten musste, da Dustins und mein Dienstplan in dieser Phase leider wenig harmonierten.
Eingeengt von kurzen, stressigen und wenig erfolgreichen Nächten sehnten wir uns nach etwas Distanz zum Hausgewässer. Da kam uns die Woche an einem holländischen See mit ein paar Freunden sehr gelegen. Wir wollten Abschalten. Einfach angeln. Unbeschwert ein paar Fische fangen. Eine gute Zeit haben. Vorweg würde ich die Woche nicht als Fiasko bezeichnen. Der See war alles andere als einfach zu beangeln, auch wenn die Bedingungen Ende August nahezu perfekt waren. So fingen wir unsere Fische. Nicht viele, aber in Anbetracht der Tatsache, dass an anderer Stelle so gar nichts ging, mussten wir vermutlich mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Und ein kleines Highlight hielt Holland dann doch noch für mich bereit. So konnte ich mir einen lang ersehnten Traum erfüllen und meinen ersten „vollständigen“ Zeilenkarpfen zum Landgang überreden, der mir nebenbei noch einen Wahnsinns Bootsdrill bescherte.

Zurück in Deutschland schraubten wir, mit zunehmender Arbeit, unsere Frequenz der Ansitze nach unten. Vielleicht war es dieser Abstand, der zumindest mir etwas Leichtigkeit zurückgab und mir im Herbst doch noch den ein oder anderen Fisch bescherte.

Dustin blieb das Pech leider treu. In einer der wenigen Nächte, die er am Wasser verbringen konnte, verlor er leider einen Fisch im Holz. Einer von vielen Momenten, der sinnbildlich für dieses merkwürdig verkorkste Jahr stand.

Während ich für euch diese Zeilen verfasse, ist es bereits November. Es ist ungewöhnlich warm für November, alle Zeichen stehen noch auf Fisch. Aber ich werde ehrlich zu euch sein – das Jahr war hart. So eine Zeit zerrt an Gemüt und Geist. Irgendwann kann auch ein noch so schöner Sonnenaufgang die entstandenen Bauchschmerzen nicht mehr verdrängen. Die Bauchschmerzen, die entstehen, wenn harte Arbeit und viel investierte Zeit einfach nicht so belohnt werden, wie man es sich erhofft.

Es ist die Erkenntnis gereift, dass es manchmal einfach so läuft, wie es läuft. Dafür gibt es sicherlich einen Grund, der erschließt sich nur nicht immer. Ich persönlich habe gemerkt, dass kämpfen alleine nicht immer belohnt wird, besonders dann nicht, wenn man die Dinge zu sehr will. Ich glaube, dass ein bisschen Abstand die Akkus wieder aufladen wird. Neue Energie freisetzen wird. Ich lasse die Cypriniden für dieses Jahr in Ruhe und habe angefangen meinen anglerischen Horizont etwas zu erweitern. Das aktive Fischen auf Stachelritter gibt mir im Moment das zurück, was mir im Laufe dieses Jahres genommen wurde. Die Freude am Wasser zu sein.
Vielleicht gibt es da draußen unter euch ein paar Leidgenossen, die nachvollziehen können, was wir dieses Jahr durchgemacht haben. Die im kommenden Jahr ihr Gerödel, trotz aller Widerstände, genauso motiviert wieder ans Wasser schleppen. Die fluchen, verdammen, jubeln und lachen. Denn Karpfenangeln ist nun mal eine Leidenschaft. Und in Leidenschaft steckt nun mal das Wort ,,Leid‘‘.
Wir nehmen den Kopf hoch und greifen wieder an – so wie ihr hoffentlich.

Bis dahin bleibt alle gesund.

Dustin & Nico

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